Es ist schon schräg, der sog. Digitalfotografie ernsthaft eine Materialität zuzusprechen, weil man die Daten ja auch als Bilder formatiert ausdrucken könnte und weil die Bilddaten ja sowieso immer auf materiellen Trägern gespeichert würden.
Bei der emulsionsbasierten Fotografie, dem ›analogen‹ Arbeiten, ist die Wahl des Materials entscheidend für das Ergebnis. Hier beispielhaft eine Doppelseite aus meinem Fotoalbum von 1985 mit zwei Handabzügen von Kleinbild-Negativen (Ilford FP4) auf verschiedenen Silbergelatine-Fotopapieren: PE-Papier (li., unter dem Pergamin-Zwischenblatt) und Barytpapier mit Bronze-Metallic-Anmutung (re.) (Fotos und Vergrößerungen: Martin Frech, 5/1985)
Entscheidend ist, dass bei der »Digitalfotografie« der Weltbezug verloren geht: Aus der kontinuierlichen Übertragung von Information – wie sie bei der Fotografie gegeben ist – wurde mit der Digitalisierung eine Diskretisierung noch im Apparat. Dabei verliert der Referent die Haftung: Der Verlust der materiellen fotochemischen Basis bedeutet den Verlust der Kausalität. Es sind halt Daten.
Graffiti ›Arthur träumt‹ auf Beton in einer Unterführung in Tübingen. (Foto: Martin Frech, 5/1985; DSLR-Scan 2026)
Ja, ich pflege residuale Formen des Mediengebrauchs und zelebriere weiterhin die Materialität des fotochemischen Bildes. Während ich über die Zuschreibung als Romantiker nur den Kopf schüttele, weise ich den Vorwurf der Fetischisierung jedoch entschieden zurück.