Hommage an Nicéphore Niépce
Vor etwa 200 Jahren fertigte der Franzose Joseph Nicéphore Niépce (1765–1833) die erste haltbare und noch existierende Aufnahme in einer Kamera an, ›die erste Fotografie‹ (Asphalt auf Zinn; 20,3 × 16,7 cm; quer). Es ist nicht genau bekannt, wann er diese Platte belichtet hat, es war vers 1826/1827.
Als Kompromiss feiert Frankreich den 200. Jahrestag dieser Testaufnahme über den Jahreswechsel: Vom 1. September 2026 bis zum 30. September 2027. Als Höhepunkt wird ›die erste Fotografie‹ ab April 2027 im Musée Nicéphore Niépce in Chalon-sur-Saône zu sehen sein, ausgeliehen von der besitzenden Institution, dem Harry Ransom Center, de l’Université du Texas à Austin (États-Unis).
- ↱ bicentenairephotographie.
culture. gouv. fr/ - ↱ museeniepce.
com/ index. php?/ musee/ bicentenaire- de- la- photographie/ programme
Parallel zu den französischen Aktivitäten haben wir in unserem Projektraum schaelpic in Köln am 30. August die Ausstellung »Zinn Asphalt Öl: 200 Jahre Fotografie – Hommage an Nicéphore Niépce« eröffnet. Zur Einführung habe ich über den Kontext gesprochen – quasi als Fortsetzung meines Vortrags im April, als ich über die Camera obscura als Erkenntnisinstrument durch die Jahrhunderte vorgetragen habe.

Zinn, Asphalt, Lavendelöl und Terpentin waren die Zutaten, die Sonne lieferte die Energie: Vor etwa 200 Jahren gelang Niépce eine Heliographie (seine Wortschöpfung), die heute als die erste Fotografie der Welt gilt: ›Der Blick aus dem Fenster in Le Gras‹ zeigt die Aussicht aus einem Fenster seines Hauses im Burgund.
[↱ Infos von der besitzenden Institutiona]

Das durch glückliche Umstände erhalten gebliebene Unikat ist eine Wegmarke der Menschheitsgeschichte: Niépce’ quasi-alchemistische Versuche zeitigten die epochale Erfindung der Fotografie, die wir mit einer Ausstellung in der schaelpic in Köln feiern. Wir hatten 24 Fotografinnen und Fotografen eingeladen, rein analog eine von dieser ›ersten Fotografie‹ inspirierte Arbeit anzufertigen; 18 haben teilgenommen:
Wir laden Dich dazu ein, einen Beitrag für unsere Ausstellung anzufertigen, indem Du Dich von Niépce’ Testaufnahme inspirieren lässt: Die ›erste Fotografie‹ dient Dir als Grundrauschen bei der Anfertigung einer Fotoarbeit als Beitrag zu unserer Ausstellung. Sei es das Motiv oder die Komposition, die Technik oder das Material, die Umstände der Entstehung oder die historische Bedeutung – was immer Dich reizt, zeig es uns.
Die einzige nicht verhandelbare Bedingung ist, dass Dein Beitrag von Anfang bis Ende ausschließlich analog produziert wurde. (aus unserer Einladung)

Uns ist wichtig, die grundlegenden fototechnischen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts im Kontext der späteren Erfindungen zu reflektieren: Eine analoge Fotografie resultiert aus direkten kontinuierlichen physikalisch-chemischen Prozessen im Austausch mit und kausal abhängig von der Welt. Im digitalfotografischen Prozess, der ›Fotografie nach der Fotografie‹, ist die Abbildung das Resultat diskretisierter analoger Weltsignale, immerhin. Bildgeneratoren über Large-Language-Models, deren Weltwissen selbst bloß auf Bildern und deren Output auf rein sprachlichen Beschreibungen basieren, hingegen generieren Faksimiles erwarteter Erfahrungen.
Wir erinnern mit unserer Ausstellung nachdrücklich daran, wie wichtig es ist, Fotografien trennscharf von generativ erzeugten Bildern zu unterscheiden und machen deutlich, was die Menschheit mit der traditionellen Fotografie verlieren würde.

Mein Beitrag besteht aus einem Diptychon der Bilder Sonnenfinsternis vom 12.08.2026 (durchs Sieb) (vgl. → Sonnenfinsternis durchs Nudelsiebb) und Das hat Kopernikus nur gewusst, mit dem ich das ›davor‹ und das ›danach‹ thematisiere: Es gibt Dinge, die man wissen kann, aber nie sieht. Fotografie kann beim Sehen helfen.
↱ Faltblatt zur Ausstellungc
Weiterlesen:
- Niépce ; Correspondance et Papiers. Par Manuel Bonnet et Jean-Louis Marignier. Saint-Loup-de-Varennes/FR: Maison Nicéphore Niépce, 2003. Online: ↱ niepce-
correspondance- [2026-09-09]et- papiers. com/ - Newhall, Beaumont: Die Väter der Photographie ; Anatomie einer Erfindung. Seebruck: Heering, 1978 (= Neue Fotothek)
- Oeben, Stefanie: »Die erste Fotografie der Welt – der Blick aus dem Fenster in Le Gras von Joseph Nicéphore Niépce aus dem Jahre 1826«. In: Die Geburtsstunde der Fotografie ; Meilensteine der Gernsheim-Collection. Hg. Alfried Wieczorek u. Claude W. Sui. Kat. Ausst. Die Geburtsstunde der Fotografie ; Meilensteine der Gernsheim-Collection, Mannheim: Kehrer, 2012. S. 88–96
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| Zinn Asphalt Öl: 200 Jahre Fotografie – Hommage an Nicéphore Niépce | |
| Ausstellungsort: ↱ schaelpic photokunstbard Schanzenstraße 27 51063 Köln | Ausstellungsdauer: 30. August bis 16. Oktober 2026 |