NzF

Fo­to­gra­fie und Dich­tung

Martin Frech

In den schael­pic-Aus­stel­lung­en 49, 50, 51, 52, 53, 55, 56 und 58 the­ma­ti­sier­ten wir seit Au­gust 2021 un­ter dem Ober­ti­tel »⁠Der Re­flex des Wie­der­er­ken­nens⁠« Be­zü­ge zwi­schen Li­te­ra­tur und bil­den­der Kunst. Die­se Rei­he be­schlie­ßen wir mit der ak­tu­ellen Aus­stel­lung ⁠ ⁠»⁠Vom Ur­sprung – Ar­chi­tek­tu­ren der Rhein­quel­len⁠«a des Fo­to­gra­fen Tobias D. Kern (läuft noch bis zum 27. März).

Es ist offen­sicht­lich, dass es prin­zi­pi­el­le Ge­mein­sam­kei­ten zwi­schen bei­den Aus­drucks­for­men gibt – et­wa hin­sicht­lich der Of­fen­heit in der Re­zep­tion. Wir kon­kre­ti­sier­ten die­ses wei­te Feld, in­dem wir uns auf die Dich­tung und die Fo­to­gra­fie kon­zen­trier­ten und Fra­gen be­ar­bei­te­ten wie: Kann ein Fo­to wie ein Ge­dicht wir­ken – wie sich das et­wa Ro­bert Frank für sei­ne Bil­der ge­wünscht hat? (Be­re­ni­ce Ab­bott da­ge­gen wür­de das wohl ab­leh­nen.) Wa­rum fo­to­gra­fiert ein Dich­ter? Wie kann man Ly­rik und Fo­to­gra­fie zu­sam­men­brin­gen? Und wel­cher äs­the­ti­sche Mehr­wert kann da­raus er­wach­sen?

Es gibt viel­fäl­ti­ge Bei­spie­le aus der künst­le­ri­schen Pra­xis für das Mit­ein­an­der von Text und Bild auf Au­gen­hö­he. Et­wa die Zu­sam­men­ar­beit des Dich­ters und Jour­na­listen James Agee mit Wal­ker Evans oder die des Schrift­stel­lers John Ber­ger mit Jean Mohr. Jack Ke­rou­ac hat dem Fo­to­gra­fen Ro­bert Frank »⁠ei­nen Platz un­ter den tra­gi­schen Dich­tern der Welt⁠« zu­ge­spro­chen. Win­fried Georg Se­bald und Wis­ława Szym­bors­ka sind Schrift­stel­ler, die sich in ih­ren Tex­ten ex­pli­zit mit Fo­to­gra­fie aus­ei­nan­der­set­zen; Erich Käst­ner hat über ein fo­to­gra­fier­tes Por­trait ei­nes Kon­fir­man­den ge­dich­tet und Philip Lar­kin wur­de durch das Fo­to­al­bum ei­ner jun­gen Frau zum Dich­ten in­spi­riert. Heinz Ci­bul­ka hat­te ei­ne Pha­se, in der er sei­ne Fo­tos zu Bild­ge­dich­ten an­ord­ne­te und Rolf Die­ter Brink­manns Fo­to­gra­fien sind pa­ral­lel zu sei­nen Ge­dich­ten ent­stan­den – oder um­ge­kehrt.

Die Schrift­stel­ler­ïn­nen, auf die sich in un­se­ren acht Aus­stel­lung be­zo­gen wur­de, sind in der Reihen­fol­ge ih­res Auf­tre­tens: Vic­tor Hu­go, Jonathan Frech, Do­ris Schilz, Wal­lace Ste­vens, Jo­han­nes Theo­dor Baar­geld, Tho­mas Mer­ton, August Stramm, Karl Lan­gen­ba­cher, Georg Büch­ner, Paul Ce­lan, Pier Paolo Pasolini, Ann-Su­sann Brück­mann, Ro­bert M. Pir­sig, Gün­ter Eich und Friedrich Hölderlin.

De­tails zu den Aus­stel­lung­en: ⁠ ⁠schaelpic.de

Schwarzweißbild (Digitalisat vom Kleinbildnegativ): Dr. Jutta Höfel und Tobias D. Kern im Gespräch (schaelpic photokunstbar, Köln). (Foto: Martin Frech, 3/2026)
Am ver­gan­ge­nen Sonn­tag re­de­ten die Phi­lo­lo­gin Dr. Jut­ta Hö­fel und der Fo­to­graf Tobias D. Kern in der Aus­stel­lung und mit dem Pub­li­kum über die To­na­li­tät der Hölderlinschen Ver­se und de­ren Ein­fluss auf die At­mo­sphä­re von Kerns Bil­dern, in de­nen die re­ale Land­schaft ei­ne ge­heim­nis­haf­te Sub­stanz ge­winnt. (Fo­to: Mar­tin Frech, 3/2026)
Olym­pus XA, Ilford HP5+, Ko­dak HC-110
Schwarzweißbild (Digitalisat vom Kleinbildnegativ): Dr. Jutta Höfel und Tobias D. Kern im Gespräch (schaelpic photokunstbar, Köln). (Foto: Martin Frech, 3/2026)

Fußnoten.
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Frech, Martin: »Fo­to­gra­fie und Dich­tung«. In: Notizen zur Fotografie, 2026-03-04. Online: https://www.medienfrech.de/foto/NzF/2026-03-04_Martin-Frech_Fotografie-und-Dichtung.html
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Frech, Martin: »Fo­to­gra­fie und Dich­tung«. In: Notizen zur Fotografie, 2026-03-04. Online: https://www.medienfrech.de/foto/NzF/2026-03-04_Martin-Frech_Fotografie-und-Dichtung.html$1