Ausstellung:
Zeitsplitter – Fotografische Erinnerungen auf Glas
Eine Kiste voller Rätsel: Ausgangspunkt des Projekts war diese alte Kiste mit über 170 Glasplatten-Negativen, deren Herkunft zunächst im Dunkeln lag – keine Namen, keine Daten, nur die stummen Bildzeugen einer vergangenen Zeit. Die Aufnahmen, mutmaßlich zwischen 1900 und 1910 entstanden, führen uns in eine Welt, die es so nicht mehr gibt: Landschaften ohne Industrie, frühe touristische Blicke und bürgerliches Alltagsleben vor 125 Jahren.

Foto: Martin Frech, 1/2026; Artdirection: Jonathan Frech
Die Negative lagern in zeitgenössischen Fotoplatten-Schachteln und sind teilweise von Hand mit deutscher Kurrentschrift versehen. Der Flohmarktfund schien von kultur- und medienwissenschaftlicher Bedeutung zu sein. So war es naheliegend, im Bachelorstudiengang der Medienwissenschaft ein Projekt zur Bearbeitung dieses Fundes anzubieten (Leitung: Ulrich Hägele und Martin Frech).
Die Arbeitsgruppe stand vor der Aufgabe, die Geschichte hinter den Bildern zu rekonstruieren und mehr über deren Provenienz herauszufinden. Aus vagen Hinweisen und bildlichen Details verdichtete sich die Vermutung, dass die Aufnahmen von einem Richter aus dem Raum Ellwangen oder Crailsheim im Jagsttal stammen könnten, der in seiner Freizeit mit seiner Kamera unterwegs gewesen war.
Im Sommersemester 2025 erarbeiteten sich die Studierenden die theoretischen Grundlagen in Sachen Dokumentar- und Amateurfotografie sowie Fototheorie und Bildanalyse. Im Wintersemester 2025/26 folgte als praktischer Teil die Produktion einer Ausstellung (vor Ort in Tübingen sowie online) und eines Katalogs.
Die Ausstellung lässt den Prozess der Entschlüsselung sichtbar werden. Sie zeigt nicht nur die ästhetische Qualität der alten Fotografien, sondern thematisiert auch das Fragmentarische solcher Erinnerungen – eben echte ›Zeitsplitter‹. Parallel entwickelten die Studierenden eine niederschwellig erreichbare Online-Ausstellung. Dort sind auch die Bildtexte von rund 80 Fotografien als Audiofiles abrufbar.

Die Ausstellung wird am Freitag, den 6. Februar 2026 eröffnet. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild von dem Fund zu machen und vielleicht sogar eigene Assoziationen zu den historischen Orten einzubringen.
Zeitsplitter – Fotografische Erinnerungen auf Glas
Fotoausstellung in der Brechtbaugalerie
Wilhelmstraße 50, 72074 Tübingen
Eröffnung: 6. Februar 2026, 11 Uhr
Öffnungszeiten:
6. Februar bis 25. Oktober 2026
montags bis freitags: 9–20 Uhr
sowie variierend an den Wochenenden
Zeitsplitter – Fotografische Erinnerungen auf Glas«. In: Notizen zur Fotografie, 2026-02-04. Online: https://