Schauen wir uns doch mal von außen an
Das Zeitmagazin (Nr. 34 vom 09.08.2025) hat sich Bharat Sikka gegönnt und ihn fotografierend acht Tage lang durch Deutschland reisen lassen, mit Assistent und Producerin. Die Idee war, den »Besucher aus einem anderen Teil der Welt« unser Land »von außen« betrachten zu lassen. Publiziert unter dem hochtrabenden Titel Wie die Welt auf Deutschland blickt.
Sikka hat sich im Interview sehr nett zu Deutschland geäußert (im Sinne von: Rassismus, wo soll der sein?) und entsprechend eine wohlwollende Fotostrecke abgeliefert (Deutschland sei »sehr fotogen«). Sein Roadtrip hat ihn in einem Bogen von Berlin durch den äußersten Osten (ja, er kam auch durch Sonnenberg – und hat dort eine Aufnahme des Andromedanebels abfotografiert) und Franken nach Frankfurt/M. geführt. Sieht ganz so aus, als müsse ›Die Welt‹ noch ein paar Reisen machen, um auf Deutschland zu blicken.

Skizze und Foto: Martin Frech, 08/2025
Wir sehen die bewährte Mischung aus arrangierten Portraits von Tieren und Menschen (wie Modefotografie, gerne von Leuten mit sichtbarem Einwanderer-Hintergrund oder mit ausgefallenen Hobbys), skuril anmutenden Motiven, Interieurs sowie betont dokumentarischen Ansichten, diese dann zur Abwechslung in grau.
Schön anzuschauen, gewiss; Irritationen kommen keine auf, die semantischen Indifferenzen der Fotos werden durch die dokumentierenden Bildunterschriften sofort in die richtigen Bahnen gelenkt – und die den Fotos fehlenden Ortsbezüge prompt nachgereicht. Den Rest müssen wir reinprojizieren.
Die Redaktion schreibt, er hätte ›poetische Alltagsmomente‹ entdeckt; ach so?
Weiterlesen:
Wiegand, Thomas: Deutschland im Fotobuch ; 287 Fotobücher zum Thema Deutschland aus der Zeit von 1915 bis 2009. Hg. von Manfred Heiting. Göttingen: Steidl, 2011. ISBN 978-3-86930-249-2